Frank Liebke: Von der Nikon D800 zur Nikon Z7 – Ein Erfahrungsbericht

Gerne veröffentlichen wir diesen Gastbeitrag von Frank, der viele Jahre aktiv im Nikon Club Deutschland aktiv war.
 
Als ich im Herbst 2012 meinen Pixelboliden Nikon D800 mit 36MP kaufte, war das für mich soviel wie „zurück zu den Wurzeln“, Kleinbildfotografie mit der Qualität einer Großformatkamera. Was in dieser Zahl 36 steckt, sah ich dann das erste Mal so richtig 2015 in der Ausstellung „Sagenhaftes Oberhavel“ im Schloss Oranienburg. Dort wurden, zu Sagen des Kreises, auch 50 Fotografien gezeigt. Davon waren 37 von mir dabei.
 
 
Und davon wiederum fünf ausgewählte im sagenhaften Format 3m x 1,5m Größe. Und ja, DAS war wirklich Größe. Ich selbst hatte das erste Mal gesehen, was in den Daten der D800 steckt, stand vor meinen Bildern und staunte wie ein kleines Kind zur Bescherung. Man sah darauf Details, die auf meinem Arbeitsbildschirm nur in 100facher Vergrößerung sichtbar wurden. Das Erlebnis, eine Offenbarung. Ich bin dann, heimlich und unbeobachtet, nach der Ausstellungseröffnung noch ein paar Mal hingegangen, um mir das Schauwerk noch ein paar Mal anzuschauen. Heute hängen die riesgen Bilder im Landratsamt in Oranienburg. Und damit will ich gleich alles gesagt haben zur immer wieder aufgeworfenen Frage der „Fotoexperten“, „wer braucht schon 36MP, ist doch viel zu viel…“ die einfache Antwort: „ICH“! Punkt.
 
Foto: Frank Liebke
 
Diese Kamera ist ein Arbeitstier und hat mir in den Jahren tausende gute Bilder produziert. Die garantierte Leistung des Verschlusses wird von Nikon mit 150 000 Auslösungen hoch angesetzt. Mittlerweile hat meine Kamera schon weit mehr auf dem Zähler und ich bekomme manchmal ein mulmiges Gefühl, wird sie noch ein Weilchen durchhalten? Nun, habe ich mich auch schon eine Zeit mit den neuen spiegellosen Kameras befasst. Ganz vorn dabei Sony. Und Vollformat sollte es schon sein. Und vor zwei Jahren brachte nun Nikon auch zwei neue Kameras dafür auf den Markt, mittlerweile mit eine gute Anzahl neuentwickelter Objektive. Eine Freundin von mir fotografiert seit Jahren nur noch mit Sony und ist davon begeistert. Sie hat ein Gehäuse mit 42MP und eine 24-105/4 Optik. Das „Gespann“ durfte ich mal einen Tag lang benutzen, testen, mit schönen Frühlingsbildern als Ergebnis. Und ja, die Daten waren klasse, nur, mit der Kamera konnte ich mich einfach nicht anfreunden. Also schlug ich mir einen Systemwechsel damit endgültig aus den Kopf. Und dann auf einmal Nikon, ebenfalls spiegellos. Auch schön klein die Gehäuse, aber eben alles Nikon-like 🙂 Zwei Gehäuse vorerst. Die Z7 mit 45MP und die Z6 mit 24MP. Äußerlich nicht zu unterscheiden, außer die Zahl eben. Und dann die ganzen technischen Daten. Vor allem, ein in das Gehäuse integrierter VR, Auslöseruhe ohne Stativ vorprogrammiert. Tja, was nun, eine Z7 oder eine D850?? Ich wollte endlich das Gewicht meiner Ausrüstung reduzieren, seit meiner Krankheit 2019 bin ich einfach nicht mehr so leistungsfähig. Dann ein Besuch im Technik-Supermarkt, eine Z6 war da mit der 24-70er Optik. Zum Anfassen und probieren. Ein Traum! Der Sucher eine Offenbarung. Und das ganze Teil, man hat sofort wieder das Nikon-Feeling, griffig, einfache Bedienung und alles dort, wo man es als Nikon-Fotograf gewöhnt war. Nur die Finanzierung….
 
Der Entschluss stand fest. Wenn eine Neue, dann die Z7. Mit Objektivadapter und dem 24-70/4 S Nikkor. So kann ich mein 2,8/24-70VR ersetzen. was eine super Optik ist, aber eben einfach zu schwer. Und für meine Landschaften benötige ich keine 2,8 Anfangsöffnung. Es war wie Weihnachten, als ich das Paket öffnete und alles zusammensetzte. Die Batterie musste erst mal geladen werden, nichts für meine Ungeduld. Aber, und ja, auch das ist eben Nikon, in der Z7 passen auch alle Akkus der D800 und D750. Rein damit und schon konnte es losgehen. Nach der Einrichtung auf meine Bedürfnisse gleich die ersten „über den Balkon-Tests“ mit allen verfügbaren Brennweiten und dem Objektivadapter. Keine Einbußen, weder in Qualität noch in Schnelligkeit von Autofokus und Handling. Klasse. Und das ganz irre, mein 1,8/50, Non-VR, ist durch diese Cam so ruhig zu halten. Der VR in der Cam ist so präziese, ich habe das erste Mal erlebt, wie scharf dieses Objektiv zeichnet! 
 
Foto: Frank Liebke
 
Und dann hielt es mich nicht mehr zu Hause. Nur mit Kamera und 24-70er (sowieso meine bevorzugte Landschaftskombi) ab ins Auto und raus ins Märkische Land. Ins Kremmener Land, genau wie früher, schauen was passiert und mitnehmen. Erstes Objekt, die Mühle Vehlefanz aus mal einer anderen Perspektive. Es ist so wahnsinnig cool sofort im Sucher jede Belichtungsveränderung zu sehen. Man sieht eigentlich gleich immer das fertige Bild, in Echtzeit! Grandios! Und hier auch mein einziger Kritikpunkt an die Kamera: Ich war es bei meinen D800 und D750 gewohnt, im Sucher immer! die Wasserwaage eingeschaltet dezent am Bildrand zu sehen. Jeder weiß wie blöd es ist einen See zu fotografieren, der im Bild dann „ausläuft“, nur weil die Kamera leicht schief gehalten wurde. Passiert mit Weitwinkel sehr leicht, die Wasserwaage hilft da. Und die gibt es natürlich auch in der Z7. Und es ist auch okay wenn auf dem Display das Ding recht groß im Zentrum sitzt. Gerade wenn man für nah eine Brille benötigt wie ich. Aber so ein RiesenWasserwaagending im Sucher??? Also das ist voll daneben! Ich denke da manchmal mit etwas Wehmut an meine geliebte Nikon F3 aus Filmzeiten. Der Sucher zeigte 100% Bildfläche, Blende und Verschlusszeit waren gaaaanz dezent außerhalb des Bildfeldes zu sehen, zur Kontrolle. So will der Künstler gerne seinen Sucher haben. Denn der Sucher des Fotokünstlers ist wie die Leinwand des Malers. Man will doch (zumindest ich) sein Bild komponieren. Also Nikon, ganz ganz großer Wunsch, ich brauche die Wasserwaage im Sucher, unbedingt!! Aber BITTE! Dezenter!!!
 
 
Und das war schon die ganze Kritik. Klar, als Praktiker gab es nie die 100% Zufriedenheit, ich komme auch so klar, aber wenn man einen Wunsch frei hätte….
Zurück zum Thema, erste Ausfahrt mit der Z7. Am Mühlensee dann ein recht unspektukaläres Bild, aber eine Randschärfe, Super! Viel geknipst und mitgenommen, aber eben nicht der Rede wert. Hat trotzdem Spaß gemacht. Wenn man das Auslösegeräusch der D800 gewöhnt ist (bei Hochzeiten schon ein Grund sich zu schämen so die Ruhe zu stören), jetzt eine Offenbarung. Weich und ruhig. Okay, schön, aber einen Knaller wollte ich mit nach Hause nehmen. Es ist schon verrückt wie eine neue Errungenschaft den Ergeiz und den Spaß wieder anfachen kann! 
Nun kenne ich mich in meiner Heimat ja aus wie in meiner Westentasche und ich hatte da so ein Bild vor meinem inneren Auge. Den Sonnenuntergang an einer bestimmten Stelle in Hohenbruch. Und ich wurde nicht enttäuscht, sogar den „Sonnenstern“ bringt das Objektiv hervorragend 😉 
 
Es war ein Neuanfang in Sachen Technik und damit auch ein Aufwachen aus einer Lethargie, der ich schon verfallen war. Mir rasen neue Ideen durch den Kopf, und ich bin mir bewusst dass ich das alles schaffen kann. Weil mich die Technik dabei unterstützen wird. Und somit bin ich Nikon dankbar dass sie so sind wie sie sind. In erster Linie Werkzeuge für die Kreativität. I´m so happy!
 
PS: Vom Nikon Service Point Dresden habe ich zu Testzwecken an einem Wochenende ein 70-200/2,8 VR S gewonnen. Darüber gibt es dann auf meiner Homepage im Blogs mehr, denn das Objektiv hat viele Momente eingefangen. Lasst Euch überraschen, nur eins vorweg, eine so brachiale Qualitätslinse, die JEDEN Cent wert ist. Ich bin davon absolut begeistert.
 
 

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