Der erste Test: Nikon Z-fc, wie „fotografie compact“ – Das erste Kennenlernen

Da liegt sie auf der Verkaufstheke bei „Foto Wolff“ in Dinslaken – die neue Nikon Z-fc: Kleiner, als vorgestellt, aber das liegt im Trend. Nikon möchte damit auch enttäuschte Handy-Knipser „wieder ins Boot holen!“ Das könnte die neue Kompakte durchaus schaffen. Das aktuellste Mitglied der Nikon-Spiegellosen passt gut in die Jackentasche (wenn die Jacke groß genug ist), das bewirkt auch das flache Standardobjekt, ein Zoom mit der Brennweite 16-50 mm, darüber später mehr.

Die „fc“ überzeugt schon nach wenigen Sekunden der Betrachtung, das liegt auch an der überragenden Nikon-Präzision, mit der sie in die Herstellung ging. Das Äußere ist angenehm vertraut und erinnert an ihre legendären Vorgänger, an die 1977 vorgestellte FM oder die später verkauften Modelle FE, FM-2 oder FE-2. Mein Blick gilt eher der FM-3A, die letzte Kamera der FM-FE-Baureihe, besonders das sehr ähnliche Verschlusszeitenrad ist vergleichbar. Natürlich gehört die robuste und immer zuverlässige Nikon Df mit in diese Auflistung, die erste Nikon-Digitale im Retro-Look.

Wenn wir schon beim Thema Verarbeitung und Präzision sind: Die Neue begeistert von Anfang an. Dazu zählt auch die Hülle aus einer Magnesium-Legierung. Als Besitzer einer Nikon Df (meiner Lieblings-Nikon) erfreut auch die „fc“ durch die Bedienelemente, die Nikon bereits mit der legendären Nikon F einführte. Die grün-weiß-rote Farbwahl des Verschlusszeiten-Rades sieht täuschend ähnlich aus, sogar „B“ und „T“ sind dort (wie bei der Nikon F) zu sehen. Für die Einstellung der ISO-Werte setzte Nikon auf das Oberdeck ein weiteres (sehr überzeugendes) Zweitrad, dort, wo bei den analogen Nikon-F-Kameras der Rückspulknopf sitzt. Das große ISO-Zeitenrad rastet bei den Verstellungen leise – und ebenso präzise ein, wie die Verschlusszeiteneinstellung einer F2.

Zu sehen sind hier Werte bis 51.200, das lässt sich durch H1 und H2 noch weiter steigern. Die Besitzerin (oder der Besitzer) einer Z50, Z6, Z6 II, Z7 oder Z7II  wundert sich immer noch, dass die Kameras bei hohen Empfindlichkeiten locker mitziehen. Bei der „fc“ kommt das Gefühl auf, dass sie ebenfalls extreme ISO-Einstellungen sehr gut verträgt und sich auch in diesen hohen Bereichen mit einer optimalen Bildqualität darstellt!

Für die ISO-Verstellung ist es wichtig, den mittleren Knopf zu drücken und dort (nach Wunsch) in beide Richtungen zu drehen, auch hier ist es bei dieser Fertigungspräzision eine Freude, diese Präzision der Verarbeitung „zu erleben!“

Ein drittes Drehrad liegt auf der anderen Seite, es ist die (ohne Druckknopf) einstellbare Belichtungskorrektur. Da fehlt (kein Nachteil) der Arretierungsknopf. Die Verstellung der Korrektur erfolgt „fest und trotzdem leichtgängig“, auch das ein Erlebnis.

Was finden wir noch? Den Minischalter für die sichere Anwahl zwischen Foto- oder Filmbetrieb liegt unterhalb der Zeiteinstellung. Danach den roten Knopf drücken, dann geht es los mit Hollywood im Kleinformat.

Daneben zeigt sich ein winzig-kleines Fenster mit einer LCD-Anzeige, hier informiert die Kamera über die eingestellte Objektivblende. Die Verstellung erfolgt über das frontseitige (nur halbseitig herausragende Einstellrad).

Der Auslöser besitzt im Gegensatz zur Df kein Drahtauslösergewinde, das erledigt die Selbstauslöserschaltung der Kamera oder das Fernauslösezubehör bei Langzeitbelichtungen deutlich leichter und weniger umständlich. Das runde Okular gefällt auch – das kennen wir von den Nikon-Klassikern.

Was die Z50 besitzt, fehlt der „fc“, der eingebaute Blitz. Ob der bei den winzigen Abmessungen der „fc“ noch in das Prisma gepasst hätte, wage ich zu bezweifeln. Auf den Miniblitz kann ich verzichten, im Rucksack nehme ich immer (bei wichtigen Fototerminen) den SB-910 oder den kompakten SB-600 mit. Eine direkte Blitzabstrahlung auf das Motiv durch einen eingebauten Blitz sehe ich immer noch kritisch!

Bei einem bundesweiten Fotowettbewerb der Illustrierten „stern“ gewann ich einmal unter mehreren tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern den zweiten Preis, eine Olympus OM-D. Diese Kamera ist noch kleiner, als die „fc“ und besitzt den eingebauten Blitz, aber gegen die Ausstattung und Bedienung der Nikon kommt sie nicht an – und dann der winzige Blitzreflektor der OM-D? Weiteres Argument für die Nikon: Die OM-D kann nur das noch kleinere MFT-Aufnahmeformat vorweisen.

Nur ein Detail: Es ist auffällig, dass Nikon das Speicherfach für die Karte und den Akku neu konstruierte, es rastet selbsttätig nach einem Druck ein, das spart bestimmt zwei Sekunden ein, diese Zeitersparnis könnte bei einem (gewünschten) schnellen Akku- oder Kartenwechsel wichtig sein. Der Akku trägt die Bezeichnung EN-EL 25 und der versorgt auch die Z50 mit Energie, das Ladegerät MH-32 ist ebenfalls identisch, für Besitzer dieser beiden Nikon-Kameras ein großer Vorteil. Die Beiden sind sich mit 420 Gramm gleich im Gewicht, die Z50 besitzt auch die kompakte Breite, ist aber minimal höher, dafür ist bei der Z50 der Handgriff integriert. Für die „fc“ liefert Nikon einen unterschraubbaren Zusatz-Griff GR-1. Der kostet 129 Euro. Den werde ich mir aber nichtzulegen, denn die Größe der „fc“ ist ohne den Griff ein deutliches Plus – sie findet immer noch ein Plätzchen im Fotorucksack.   

Die „fc“ besitzt nur ein Speicherfach für die weit verbreiteten und mittlerweile immer preiswerteren SD-Karten: Das ist völlig in Ordnung!

Was ich wirklich nicht brauche, aber bei der „Handy-Generation“ eine bedeutende Rolle spielt, ist der nach allen Seiten variable Monitorbildschirm, er eignet sich für die ach so wichtigen Selfies. Der Sichtfeld lässt sich auch als Rückseitenschutz einklappen und sichert damit das Monitorglas. 

Jetzt zum Standard-Kit-Nikkor: Das 16-50 ist identisch mit dem Kit-Nikkor der Z50, allerdings liefert Nikon das 16-50 der „fc“ nur in der hellen „Chromfarbe“ aus, bei der Z50 (sie besitzt in der Standardausstattung ebenfalls das 16-50) ist es schwarz. Wenn wir schon dabei sind: Das versenkbare Objektiv ist ein „irre-scharfzeichnendes Stück Optik!“ Die schwache Lichtstärke könnte stören, bei der sehr guten ISO-Leistung der Kamera sehe ich das keineswegs als Nachteil. Die Konstrukteure mussten die Aufgabe lösen, das Zoom kompakt zu fertigen. Gut gemacht, eingefahren ist es nur 3,8 Zentimeter hoch bzw. niedrig!

Jetzt zu den Tatsachen, denn „der beste Test ist die Praxis“ – so gelesen in einer alten Nikon-Werbung. Die „fc“ ging bereits am ersten Tag mit zum Sport. Das 16-50 sollte dafür reichen – und da zeigte die 20-Megapixel-Spiegellose, was sie leisten kann: Der Autofokus zog zielsicher mit, unterstützt von einer Bildserienleistung mit elf (!!!) Bildern pro Sekunde. Das ist für eine Kamera dieser Leistungsklasse „ein Hammer!“ Sie fing die Szenen auf dem Sportplatz sicher ein – und alle Bilder „knackscharf“, siehe hier die beiden Beispielfotos vom Fußball.

Wer eine Kamera testet, sollte sie auch „testen“, Fotos von einer Hauswand, dazu ein langweiliges Portrait und ein Bild vom Haushund – oft zu sehen in Fotozeitschriften und auf Internetseiten, das ist deutlich zu wenig!

Beim Langzeit-Test Nummer II Ende dieser Woche kommt auch der FTZ-Adapter zum Einsatz, der bereits bei der Z6 und Z50 bewiesen hat, dass sich der Kauf lohnte! Sogar einen China-Adapter, der die uralten Objektive der S-Serie aufnimmt, kommt in den Testvergleich. Auf der Liste steht das Nikkor 2/85 mm – Baujahr 1955.

Die von der Fertigungsqualität und Leistung absolut überzeugende Nikon „Z-fc“ ist bestimmt besser, als eine technisch sehr eingeschränkte Messsucherkamera, die auch noch das Siebenfache kostet. Mit der „fc“ hat Nikon ein Top-Angebot im Programm. Kurz beschrieben: Präzisionsfertigung, überzeugende Bedienung, schneller Autofokus und eine Top-Bildleistung – SUPER! Ein zweiter Test für den NCD und die Nikon-Interessenten folgt!

Text und Fotos: Peter Braczko

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