Endlich Zeit für Dia- und Negativ-Repros mit dem Balgengerät!

Der Corona-Hausarrest ist doch eigentlich eine kreative Herausforderung. Was bisher auf dem persönlichen Terminplan stand, lässt endlich verwirklichen, sich beispielsweise intensiver mit der Makrofotografie beschäftigen oder (lange geplant) die eigenen Dias, Negative und digitalen Dateien durchforsten. Wie wäre es denn, die in den analogen Zeiten mit der F2, Nikkormat, F3 oder F-801 belichteten Dias und Negative bei der Gelegenheit einmal zu digitalisieren? Kein Scanner vorhanden? Kein Problem – aber hoffentlich gehört ein Balgengerät mit Diakopiervorsatz zur Nikon-Sammlung? Dann kann es ja los gehen. Viele Nikon-Fans besitzen diese Teile, aber trauten sich nie so richtig, damit umzugehen…?! Zugegeben, es ist zuerst etwas „Fummelei“, aber wenn es erst `mal läuft, dann macht es viel Freude.

Weiteres Zubehör: Ein robustes Stativ und eine helle Lichtquelle. Entweder eine Filmleuchte, ein Nikon-Blitzgerät mit Verlängerungskabel SC-17 (an einem zweiten Stativ) oder (zur Zeit optimal) in der freien Natur die komplette Dia-Reproeinheit in Richtung Sonne ausrichten!

Hier steht ein PB-5 mit dem Diavorsatz PS-4, eingearbeitet ist eine Opalscheibe. Der Vorsatz besitzt ein eigenes Mini-Balgengerät zur weiteren Verstellung. Jetzt zuerst die Kamera an den PB-4 ansetzen. Das ist die Hauptschwierigkeit, denn die Digitalkameras (in meinem Fall die Nikon Df) sind nicht mehr von den Gehäuseabmessungen so schmal, wie eine Nikon F2 oder FM. Abhilfe schafft (für mehr Abstand) ein Zwischenring, das ist der PK-12, sonst klappt es nicht. Den PK-12 an den Balgen setzen, dann die Kamera daran, jetzt – das ist nicht einfach – die Kamera in die Hochformatlage bringen und danach (wichtig) mit dem Arretierungsknopf des PB-5 die Kamera wieder auf Querformat drehen. Ist das geschafft, kann es starten.

Nikon empfiehlt einige Objektive, besonders aber das Micro-Nikkor 3.5/55 mm mit dem Filtergewinde 52 mm, denn mit Hilfe der beiden Druckknöpfe schnappt der PS-4 nur in Objektive mit diesem Filteranschluss. Ein Normalobjektiv 2/50 mm funktioniert auch sehr gut, einen Test mit lichtstärkeren Nikkoren (1.2/50 mm oder 1.4/50 mm) probiere ich bei Gelegenheit noch aus, aber ein Micro-Nikkor oder das 2/50 (ersatzweise das 1.8/50 mm)  sind besser für den Nahbereich geeignet.

Jetzt weiter: Das Dia oder Negativ einlegen und mit der Klappe des PS-4 zuschnappen lassen. Dann die offene Blende des Objektivs für die Scharfstellung einstellen. Nikon liefert(e) auch einen Doppeldrahtauslöser, den AR-4, dazu den Automatikring BR-4, das „macht viel her“, ist aber noch umständlicher. Es funktioniert auch ohne ganz gut. Jetzt ist die Scharfstellung an der Reihe. Was bei dem PB-5 gefällt, ist die präzise Verstellmöglichkeit mit den griffgünstigen und sehr gut gefertigten Einstellknöpfen.

Es dauert etwas, bis das Bild in voller Formatgröße im Sucher erscheint. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, eine weitere Scharfstellung an dem Micro-Objektiv vorzunehmen. Danach die Einstellung mit den Einstellknöpfen verriegeln. Die Frontklappe des PS-4 erlaubt auch eine minimale Höhenverstellung des Dias oder Negativs. Jetzt (ganz wichtig): Das Objektiv stark abblenden. Nikon nennt die Blende 11, aber diese Empfehlung stammt noch aus analogen Film-Zeiten. Moderne Digitalkameras gleichen mit ihrer internen Software optische Nachteile sehr gut aus. Deswegen nehme ich grundsätzlich für beste Ergebnisse die Blende 32. Das bringt noch etwas mehr an Schärfegewinn! Das kann aber jeder Archivar  für sich selber austesten.

Interessant ist auch ein Blick in frühere Bedienungsanleitungen und Prospekte. Es ist anerkennenswert, welche Mühe sich Nikon-Mitarbeiter machten, um ellenlange Tabellen über Abbildungsmaßstäbe und Vergrößerungsbereiche darzustellen. Wirklich beeindruckend!

Welche Verschlusszeiten und wie läuft das mit der Belichtungsmessung? Darauf verzichte ich, für die richtige Belichtung lasse ich einfach die Zeitenreihe zwischen 1/125s und zwei Sekunden mit dem Drahtauslöser oder Selbstauslöser durchlaufen. Was nicht korrekt belichtet ist, lösche ich dann weg. Und die ISO-Einstellung? So niedrig, wie nur möglich, also 100 ISO.

Nikon konstruierte übrigens speziell für Balgengeräte ein Bellows-Nikkor, das 4/105 mm mit Drittel-Einstellungen bis Blende 32. Wie sich dieses Nikkor ohne Scharfstelleinheit an einem Balgengerät verhält, das teste ich bei Gelegenheit, auch weitere Balgengeräte, bespielsweise das PB-6.

Viel Erfolg! Fotos und Text: Peter Braczko  

Ein Gedanke zu „Endlich Zeit für Dia- und Negativ-Repros mit dem Balgengerät!

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    7. Mai 2020 um 21:08
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    Ach was,Peter,ich arbeite schon lange mit Nikon Pb5 kombiniert mit Diakopiervorsats PS6, D800 und! jetzt kommt: Objektiv 63 mm EL Nikkor!od. beliebige Nikkor Vergrösserungsobjektiv, grundsätzlich Blende 5,6 arbeiten, auf A automatik einstellen,Lichtquelle eine Kaltweisse E14 LED Birne, 6500K(Tageslicht) vorm PS6 Scheibe,wird nicht heiß,plus und minus Lichthelligkeit benutzen!

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